Unternehmensbewertung: Was ist Ihr Unternehmen wirklich wert?
Für die meisten Unternehmer wird die Bewertung des eigenen Unternehmens nur wenige Male wirklich relevant. Die Frage ist dann fast immer dieselbe: Was ist mein Unternehmen wert?
Bei privaten Unternehmen gibt es darauf selten eine einzelne richtige Zahl. Der erzielbare Wert hängt von Ertragskraft, Wachstum, Risiko, Käuferuniversum, Marktumfeld und dem Transaktionsprozess ab.
Ausgangspunkt ist die nachhaltige Ertragskraft
Bei vielen profitablen Unternehmen ist EBITDA ein wichtiger Ausgangspunkt. Das ausgewiesene EBITDA entspricht jedoch nicht immer der Ertragskraft, die ein Käufer als nachhaltig ansehen wird.
Gerade bei eigentümergeführten Unternehmen können private Kosten, einmalige Aufwendungen, außergewöhnliche Erträge oder eine nicht marktübliche Eigentümervergütung enthalten sein. Deshalb wird häufig ein normalisiertes oder angepasstes EBITDA ermittelt.
Wichtig ist dabei Zurückhaltung. Ein Käufer wird nur solche Anpassungen akzeptieren, die nachvollziehbar belegt und tatsächlich nicht wiederkehrend sind.
Vom EBITDA zum Enterprise Value
Eine verbreitete Methode besteht darin, einen aus relevanten Marktbeobachtungen abgeleiteten Multiple auf das nachhaltige EBITDA anzuwenden.
Vereinfacht gilt: Enterprise Value entspricht Adjusted EBITDA multipliziert mit dem relevanten Bewertungsmultiple.
Rein zur Illustration: Bei 2 Mio. Euro Adjusted EBITDA und einem relevanten Multiple von 5,0x bis 6,0x ergäbe sich ein indikativer Enterprise Value von 10 Mio. bis 12 Mio. Euro. Diese Werte sind kein allgemeiner Benchmark.
Was bestimmt den Multiple?
Der Multiple spiegelt vereinfacht die Einschätzung zu Qualität, Wachstum und Risiko der zukünftigen Erträge wider. Zwei Unternehmen in derselben Branche können deshalb deutlich unterschiedlich bewertet werden.
Besonders relevant sind häufig Wachstum, Umsatzqualität, Kundenkonzentration, Managementtiefe, Cash Conversion, Marktposition und Unternehmensgröße.
Ein Unternehmen mit wiederkehrenden Umsätzen, geringer Kundenabhängigkeit, starkem Management und nachvollziehbarem Wachstum wird in der Regel anders beurteilt als ein Unternehmen mit derselben EBITDA Zahl, aber höherem Risiko.
Enterprise Value ist nicht gleich Equity Value
Der Enterprise Value beschreibt den Wert des operativen Unternehmens. Der Betrag, der den Gesellschaftern wirtschaftlich zufließt, ergibt sich erst nach Berücksichtigung von Finanzverbindlichkeiten, liquiden Mitteln, schuldenähnlichen Positionen und weiteren vereinbarten Anpassungen.
Für Eigentümer kann diese Brücke mindestens so wichtig sein wie der nominelle Bewertungsmultiple.
Warum verschiedene Käufer zu verschiedenen Werten kommen
Ein Private Equity Investor betrachtet vor allem nachhaltige Erträge, Wachstum, Finanzierbarkeit, Cashflow und den möglichen Wert bei einem späteren Exit.
Ein strategischer Käufer kann zusätzlich Synergien berücksichtigen, etwa neue Märkte, komplementäre Produkte, Technologie, Kundenbeziehungen oder Kostenvorteile. Deshalb kann derselbe Betrieb für unterschiedliche Käufer unterschiedlich viel wert sein.
Warum eine Bandbreite sinnvoller ist als eine exakte Zahl
Eine Bewertung von beispielsweise 11,4 Mio. Euro kann eine Genauigkeit suggerieren, die in privaten Märkten selten existiert. Eine belastbare Bandbreite ist oft ehrlicher und nützlicher.
Entscheidend ist, welche Annahmen hinter der Bandbreite stehen, welche Käufer den höheren Wert vertreten könnten und welche Risiken Preis oder Transaktionsstruktur beeinflussen.
Fazit
Unternehmensbewertung ist mehr als EBITDA mal Multiple. Sie entsteht aus finanzieller Performance, Unternehmensqualität, Käuferlogik, Marktumfeld und Transaktionsprozess.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, welche theoretische Zahl am präzisesten wirkt. Entscheidend ist, welchen Wert das Unternehmen im Markt glaubwürdig erzielen kann und welche Käufer diesen Wert am ehesten erkennen.
Eine erste Wertindikation.
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